Wir trauern um unseren Ede

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Musik verbindet, schlägt Brücken zwischen den Menschen und läßt die Menschen für kurze Zeit den Alltag vergessen. Musik kennt keine Grenzen, keine Gegensätze aus Herkunft, Nationalität und Bildung. Die Sprache der Musik ist international, sie braucht keinen Dolmetscher. Menschen aller Altersgruppen und Berufe beschäftigen sich mit einem der schönsten Hobbies: der Musik. Sie opfern viele Stunden ihrer Freizeit der Freude am Musizieren. Statt Isolierung durch die Medien vermitteln sie Tradition und Kultur ohne die unsere Gesellschaft verarmen würde. Sie stärken Gemeinschaftssinn und Lebensmut.

Ede Knupfer, Ehrendirigent
Grußwort der Festschrift 50 Jahre MV Hausen/Rot e.V. (2002)

Eduard Knupfer, von allen „Ede“ genannt, sein Name ist untrennbar mit der Geschichte des Musikvereins Hausen/Rot verbunden. Im Jahr der Gründung, 1952, war er als Posaunist eingetreten. 1966 wurde ihm interimsweise die musikalische Leitung übertragen. Dies war der Beginn einer einzigartigen Dirigententätigkeit: 31 Jahre dirigierte Ede uns Hausener. Am 2. Februar starb er im Alter von 79 Jahren.

In seiner Zeit als Dirigent hat Ede viel bewegt. Unter seiner Leitung wuchs der, zu Beginn seiner Tätigkeit, stark dezimierte Verein zu einer beachtlichen Anzahl von aktiven Mitgliedern heran. Zur Glanzzeit waren es bis zu 50 Spieler auf der Bühne! Ede konnte die Musiker  immer mit neuen Stücken begeistern. Durch ihn war der Verein immer „up-to-date“: Der Ententanz beispielsweise, vergleichbar mit heutigen „Festzeltknallern“ wie Hände zum Himmel oder Hulapalu, wurde in der Region als erstes von den Hausenern gespielt!

Als 1976 der Süddeutsche Rundfunk im Stiershof auftauchte, trommelte Ede kurzerhand innerhalb einer Stunde seine Musiker zusammen, um die Reporter gebührend zu empfangen. Dies führte dazu, dass der SDR noch einmal kam und eine Schallplatte der verschiedenen Vereine der Gemeinde Oberrot aufnahm.

Wir Musiker kannten ihn als durchaus strengen Dirigenten, der aber, sobald er den Taktstock zur Seite legte, „einer von uns“ und für jeden Spaß zu haben war. Bei Ausflügen oder Jugendfreizeiten war er stets dabei und fuhr sogar mit den Kindern die Sommerrodelbahn hinunter.

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Die Jugendarbeit war ihm ein großes Anliegen. Er ließ es sich nicht nehmen, die Gesamtprobe der Jugendkapelle selbst zu leiten und er gab vielen Kindern Einzelunterricht an den Blechblasinstrumenten. Ein guter Draht zu den „Jungen“ war ihm immer sehr wichtig. Auch außerhalb des eigenen Vereins. Als er stellvertretender Dirigent des damaligen Kreises III des Bezirks Rems-Murr war, wurden mit großer Beteiligung Jugendlehrgänge in der Hall in Unterrot abgehalten.

Vielleicht erinnern sich manche noch an den großen Festabend 1987, als 100 Jahre Blasmusik in Hausen gefeiert wurde. Das Samstagabendprogramm, in dem vom Musikverein verschiedene Musikepochen dargestellt wurden, hatte Ede selbst zusammengestellt und war noch lange Ortsgespräch.

Aber auch ein „Schaffer“ war er. Beim Festzeltaufbau war er immer zu Stelle. Und als die alte Schule in Hausen zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut wurde, halfen viele aktive und passive Mitglieder ehrenamtlich mit. Ede hatte aber von allen die meisten Arbeitsstunden erbracht.

Viele Auszeichnungen hat Ede für seinen unermüdlichen Einsatz erhalten, unter anderem 1992 auch das Landesehrenabzeichen in Gold mit Urkunde für 40 Jahre als Musiker und 26 Jahre als Dirigent.

Als er 1997 den Taktstock in jüngere Hände abgab, wurde er vom Musikverein Hausen zum Ehrendirigenten ernannt. Obwohl er seine Dirigententätigkeit mit viel Herzblut, Elan und Leidenschaft ausgeübt hatte, gab er sie dennoch nicht wehmütig auf. Im Gegenteil: Ede freute sich, endlich wieder seine geliebte Posaune spielen zu können und als „normaler“ Musiker auf der Bühne zu sitzen. Noch fast 15 weitere Jahre spielte er die erste Stimme, bevor er aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste.

Der Musikverein blieb aber dennoch seine Leidenschaft. Wann immer es ging, war er bei Auftritten oder Konzerten „seiner Hausener“ dabei. Und oft sagte Ede uns Musikern danach: „Schee habt ihr gespielt, aber ich wär lieber mit auf der Bühne gesessen, statt nur zuzuhören.“

So war er. Lieber mittendrin, statt nur dabei. Er hat viele mit seiner Leidenschaft mitgerissen.

Musik war für ihn mehr, als nur ein Instrument zu spielen. Auch die Kameradschaft und der Zusammenhalt innerhalb des Vereins war ihm wichtig.

Der Musikverein Hausen/Rot verliert mit ihm einen treuen Kameraden, guten Freund und unermüdlichen Schaffer. Er hinterlässt eine große Lücke und große Fußstapfen…

Wir vermissen dich!

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